Analogue Dreams: 1959’s Wurlitzer Sideman Rhythm Machine (via Totally Ambush!)

Juli 5, 2010

This is an interesting history of the Wurlitzer Sideman which inspired Roland founder Ikutaro Kakehashi to create his own rhythm machines.

Analogue Dreams: 1959's Wurlitzer Sideman Rhythm Machine Here comes a rather detailed essay about the amazing Wurlitzer Sideman Rhythm Box. This purely mechanical device was one of the very first rhythm machines ever, it was manufactured between 1959 and 1964. I wrote this article about a year ago and thought it might be worth sharing. The Invention & Impact of the Wurlitzer Sideman Model 5000 Rhythm Machine I. Background 1. The Wurlitzer Company The roots of the Wurlitzer Company go back to 1659. … Read More

via Totally Ambush!

Roland TR77

Juli 3, 2010

Geschichtlicher Abriss

Die Geschichte von Rolands Drumcomputern beginnt im Jahr 1964. Der Japaner Ikutaro Kakehashi hatte bereits Erfahrungen in der Entwicklung von einfachen Synthesizern und Gitarrenverstärkern gesammelt. Im Jahr 1960 gründete er die Firma Ace Electronic Industries. Er entwickelte eine elektrische Orgel, welche unter dem Namen Technics SX601 bekannt wurde. Seine eigentliche Begeisterung galt aber den frühen elektromechanischen Perkussions-Instrumenten wie dem Wurlitzer Sideman (dieser nutzt einen Elektromotor und eine Kontaktscheibe zur Erzeugung der einzelnen Rhythmen [video]). 1964 entwickelte er den Ace Electronics R1 Rhythm Ace und präsentierte ihn auf der NAMM Show in Chicago. Der Rhyhm Ace war möglicherweise die erste vollständig transistorbasierte Rhythmusmaschine der Welt. Kakehashi konnte jedoch keine Fertigungs- oder Vertriebsverträge abschließen.

Ein großer Nachteil dieser frühen Drummaschine war, dass sie zwar durch das Drücken von Tastern die Klänge abspielen konnte, jedoch über keine programmierten Rhythmen verfügte. Die praktischen Probleme, sich wiederholende rhythmische Muster zu erzeugen, waren nicht trivial. Dennoch gelang es Kakehashi und seinen Kollegen, diese durch die Erfindung einer Diodenmatrix zu lösen. Die erste Maschine mit dieser neuartigen Diodenmatrix war die FR1 Rhythm Ace, die im Jahr 1967 erschien. Sie wurde später von der Firma Hammond in deren jüngste Orgeln eingebaut.

1972 gründete Kakehashi die Firma Roland. Die TR77 war das erste Produkt der neu gegründeten Firma.

Technik

Die Klangerzeugung des Roland TR-77 ist rein analog. Die TR-77 besitzt 13 unterschiedliche Stimmen bzw. Instrumente. Die meisten dieser Instrumente basieren auf Schwingkreisen, also einer Schaltung, die aus einer Spule und einem Kondensator besteht. Die Schwingkreise der TR-77 besitzen  jeweils unterschiedliche Resonanzfrequenzen, welche die Grundfrequenzen der einzelnen Instrumente festlegen. Die Cowbell besitzt zwei unterschiedlich gestimmte Oszillatoren.

Einige der Instrumente enthalten einfache transistorbasierte Hüllkurven. Die Triggersignale müssen kurioserweise eine negative Flanke besitzen. Ein transistorbasierter Rauschgenerator ist aus vielen anderen analogen Synthesizern bekannt. Das Rauschsignal wird über einen Mixer an die einzelnen Instrumente verteilt. Das Signal wird anschließend durch ein Bandpassfilter gefiltert. Guiro ist ein Multivibrator, der aus zwei Transistoren aufgebaut ist.

Die Instrumente der TR-77 sind im Prinzip die selben wie die der späteren CR-78. Dort sind es jedoch etwas weniger.

Wirklich interessant ist bei der TR-77 die Erzeugung der Rhythmen. Die TR-77 besitzt im Gegensatz zur späteren CR-78 keinen Mikroprozessor. Sämtliche Rhythmen werden mithilfe eines flipflop-basierten Frequenzteilers und einer Rhythmus-Matrix erzeugt.

Ausgangspunkt für alle Rhythmen ist ein fünfstufiger Frequenzteiler/Binärzähler, der aus fünf Flipflops besteht, und in jeder Stufe die Ausgangsfrequenz halbiert. Dadurch werden unterschiedliche Tonlängen realisiert (16tel, 8tel, 4tel und ganze Noten). Der Zähler wird von einem Oszillator mit zwei Transistoren getaktet (Multivibrator). Die Frequenz des Oszillators bestimmt das Tempo. Sie kann über einen Regler an der Frontseite geändert werden. Mit einem Tempo-Up Schalter kann die Frequenz verdoppelt werden. Dadurch werden die Rhythmen in doppeltem Tempo abgespielt. Der Binärzähler liefert pro Stufe zwei Ausgänge, nämlich das invertierte und das nicht invertierte Ausgangssignal. Insgesamt gibt es zehn logische Ausgangssignale. Durch Kombination dieser zehn Ausgangssignale werden anschließend alle Rhythmen generiert. Die Kombination erfolgt in der Rhythmusmatrix.

Die Rhythmusmatrix erzeugt 42 verschieden rhythmische Grundmuster, aus der alle Rhythmen der TR-77 aufgebaut sind. Jeder der 18 verschiedenen Rhythmen wird aus einer Kombination dieser Grundmuster erzeugt. Die Rhythmusmatrix und die Kombination der einzelnen Grundmuster erfordert eine aufwändige Verschaltung.

Erstaunlicherweise hat die ganze Maschine gerade mal einen einzigen IC. Der wird für die spannungsgesteuerte Verstärkung benötigt (VCA). Die logischen Schaltungen (Flipflops) sind vollständig diskret aufgebaut.

Nachbau

Acid

Juli 2, 2010

The video shows my new studio: Jomox XBase09 and x0xb0x. Behringer Xenyx 1204 USB Mixer, Behringer Truth B1030A monitors. This track was recorded with my new Panasonic HDC-SD10.

Gezeitenwechsel

Juni 5, 2010

1996 war das Jahr für Boys For Pele. Der Titel bezieht sich auf die hawaiische Vulkan-Göttin Pele. Es wird im Nachhinein den kreativen Höhepunkt der Ausnahmekünstlerin Tori Amos markieren. Das Album quillt über vor Neuartigkeit, Fremdartigkeit und vor allem: Wahnsinn. Schon der erste Titel „Horses“ erzeugt mit dem Leslie-Effekt, der das Piano in eine magische Schwebung versetzt, eine überirdische, traumartige Klanglandschaft. Amos kryptisch-assoziative Textkomposition wird hier von Bösendorfer-Klängen eingerahmt. Der zweite Titel, Blood Roses, lebt vom Spannungsfeld zwischen barockem Cembalo und Amos hauchig- expressiver Stimme. Die als Pianistin geschulte Amos zeigt in ausgefeilten Arrangements, dass Elton John in Sachen Klavierbegleitung nicht das letzte Wort hat. Marianne, erst der sechste Titel auf dem Album, demonstriert nachdrücklich, mit welcher Intensität Piano und Streicher, die eigentlich nur als Begleitung eingesetzt werden, die Singstimme unterstützen und vervollständigen können. Caught a Lite Sneeze ist vielleicht einer der eindringlichsten Titel auf dem Album. Das Cembalo wird von Drums begleitet, der Gesang und die Backings bilden eine Einheit, ein einheitliches Klanggefüge. Das Cembalo wird vom Bösendorfer abgelöst, ohne dass die Spannung nur ein Promille nachlässt. Das hier ist kein Stochern im Nebel, sondern künstlerischer Ausdruck auf den Punkt gebracht. Der Titel Not The Red Baron ist eine Ode an den Mut und die Opferbereitschaft der Männer. Etwas in seiner Intensität und Ausdruck Vergleichbares hat der Verfasser in der zeitgenössischen Musik seitdem nicht mehr gehört. In Ehrfurcht zu erstarren scheint mir die einzig angemessene Reaktion.

Tori Amos
Boys For Pele
1996 Atlantic / WEA

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Marianne

Wiedergehört: Barber Violinkonzert

Mai 26, 2010

Samuel Barber gehört zu den bedeutendsten amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Konzert für Violine und Orchester (Op. 14) ist weit weniger bekannt als das allgegenwärtige Adagio for Strings (Platoon). Es ist einerseits sehr typisch für die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts, andererseits zum Teil technisch sehr anspruchsvoll (3. Satz). Die Klangqualität der vorliegenden Aufnahme aus dem Jahr 1964 entspricht natürlich nicht den heutigen Standards digitaler Aufnahmetechnik. Besonders deutlich wird dies in der Wiedergabe der Violinklangs, welcher sich insgesamt eher dünn, blass und mittenbetont darstellt. Auch eine Räumlichkeit des Violinklangs ist kaum vorhanden. Die Dynamik der Aufnahme ist jedoch zufriedenstellend.

Der erste Satz präsentiert sich beschwingt und vorwärtsstrebend. Wenn man sich an den etwas dünnen Violinklang gewöhnt hat, wird man mit interessanter Harmonik und verspielter Rhythmik belohnt. Das Allegro fordert den Geiger technisch, jedoch in dem für ein Violinkonzert üblichen Rahmen. Isaac Stern überzeugt technisch und musikalisch.

Der zweite Satz ist traditionell langsamer, Barber setzt auf gesangliche Phrasen. Das Werk ist als Werk des 20. Jahrhunderts leicht erkennbar, doch die Kompositionstechnik orientiert sich an traditionellen Maßstäben. Der zweite Satz bietet ein Spektrum zwischen manchmal recht schmalzigen Geigen und Momenten knisternder Spannung.

Der dritte Satz beginnt in einem wahnsinnigen Tempo (Presto in moto). Die Geige spielt Arpeggien, die Stimmung ist erregt, eilig und zuweilen tänzerisch. Technisch wird dem Interpreten hier einiges abverlangt. In den letzten Takten wird das Tempo nochmals beschleunigt. Das alles klingt auch heute noch frisch, neuartig und spannend. Die beschwingte und unverkrampfte Interpretation tröstet über die mangelhafte Klangqualität hinweg.

Barber Maxwell Davies
Violin Concertos
Isaac Stern, Leonard Bernstein, André Previn
Sony Classical 1995

Fun with the Baby 10 Sequencer

April 20, 2010

My video was featured on Matrixsynth:

http://matrixsynth.blogspot.com/2010/04/baby-10-sequencer-simplesizer.html

Snowboard Ausfahrt Galtür

Februar 22, 2010

Um sechs Uhr morgens ist Abfahrt. Geschätzte Fahrzeit nach Galtür: Etwa fünf Stunden. Der Veranstalter „Cruise `n` Ride“ spricht von einem „Legendären Nachtskilauf“. Die Piste ist beleuchtet, das verlängert die mögliche Fahrzeit um einige Stunden. Ich habe mir oben in dem doppelstöckigen Reisebus einen Platz gesucht. Mein Platznachbar verschlingt sein Frühstück (Cheeseburger von McDonalds). Ich versuche den intensiven Geruch zu ignorieren. Ich habe bereits zuhause gefrühstückt. Auf der Fahrt werden sogenannte Goodies verteilt, gesponsorte Markenprodukte, dazu frische Brötchen.

Die Fahrt ist lang und anstrengend. Die Mitreisenden sind alle etwa gefühlte zehn Jahre jünger als ich. An der Grenze zu Österreich geraten wird in einen Stau. Der Himmel ist wolkenlos blau. Als wir ankommen ist es etwa zwölf Uhr mittags.

Nach der Ankunft wird das Gepäck ausgeladen. Ich versuche, meine Taschen wiederzufinden. Dann ziehe ich mich vor dem Bus meine Skikleidung an. Die Skipässe werden verteilt, dann kann es losgehen. Ich stelle mich am Lift an und versuche, mir den Pistenplan einzuprägen. Das Skigebiet ist recht übersichtlich.

Die Schneebedingungen sind heute fast optimal. Der Himmel ist immer noch wolkenlos, der Schnee ist zu großen Teilen pulverig. Die Orientierung fällt zunächst noch schwer, das ändert sich jedoch im Laufe des Tages. Aufgrund der langen Busfahrt bin ich immer noch etwas erschöpft, was den Genuss etwas trübt. Das Gebirgspanorama ist jedoch einmalig.

Mit der Ballunspitzbahn kommt man dem Gipfel recht nahe. Auf einem langen Ziehweg erreiche ich die andere Seite des Berges. Der Schwung reicht jedoch nicht ganz aus auf dem Snowboard, daher muss ich eine kurze Strecke laufen. Die Bergrückseite liegt im Schatten, hier ist kaum etwas los, daher wechsle ich bald wieder auf die andere Seite.

Der Veranstalter hat einen eigenen DJ auf das Programm gesetzt. Die Hütte nennt sich Adis Abeba(r), das Musikprogramm besteht aus elektronischen Beats, die den gesamten unteren Pistenabschnitt beschallen. Ich mache einen kurzen Abstecher in die überfüllte Bar, doch ich weiß nicht, wie ich an das vom Veranstalter versprochene Freigetränk komme. Die anderen Gäste sehen aus, als würden sie schon seit Jahren hier herkommen. Coole Bars sind eh nicht so meine Welt, daher verdrück ich mich bald wieder auf die Piste.

Bei Nacht ist die Piste von gelben Flutlichtern beleuchtet.

Während der Rückfahrt wird der gesamte Bus von lauter Elektro-Musik beschallt. Das nervt total und wird auch nach mehrmaligen Anfragen nicht abgestellt. Die Beschallung scheint vom Veranstalter fest eingeplant zu sein, und trübt den ansonsten unproblematisch verlaufenen Tag. Lediglich etwas mehr Ansprache, Erklärungen, Moderation von Seiten der Betreuer hätte ich mir gewünscht.

Endgültige Musik

Februar 20, 2010

Music From Passing Cars ist ein Album des Neuseeländers Bevan Smith, besser bekannt unter dem Pseudonym Aspen. Der Titel erinnert an Brian Enos Music for Airports, welches untrennbar mit dem Begriff Ambient verbunden ist. Smiths Album geht ebenfalls in diese Richtung, allerdings hat sich das Klangarsenal gegenüber Eno deutlich verjüngt. Minimalistische Klangstrukturen harmonieren mit pulsierenden Beats, ein E-Piano Motiv wird variiert und mit unterschiedlichen Instrumentierungen versehen. Der allgemeine Charakter der einzelnen Tracks ist entspannt und beruhigend, dazu aber so individuell, dass man die Tracks schnell wiedererkennt. Manche Tracks sind von gespenstischer Schönheit (Car Hierarchy), was sicher kein Zufall ist, sondern für Smiths Fähigkeiten spricht. Hoher Suchtfaktor. Das ist das Album für die Insel.

Aspen
Music From Passing Cars
Involve (2001)

http://www.lastfm.de/music/Aspen/Music+From+Passing+Cars
Anspieltipp: 13: Car Hierarchy

Das Winzige Wesen

Februar 8, 2010

Nichts treibt sie zur Eile an,
nichts zwingt sie, den Rhythmus einzuhalten,
doch sie tut es.

Weit vorn gerät der Strom ins Stocken,
irgend etwas behindert seinen Fluss,
ein Umweg oder ein anderes Tempo,
weil irgend etwas den Weg versperrt.

Nichts treibt sie zur Eile an,
nichts zwingt sie, den Rhythmus einzuhalten,
doch sie tut es.
Ist etwa dieses winzige Wesen an der Verzögerung schuld?

*

Fest entschlossen, sich dem Strom wieder anzuschließen,
aufzuholen das Tempo,
den allgemeinen Schwung wiederzufinden.

Ein Impuls drängt sie plötzlich, sich anzupassen.
Sehr gewissenhaft, mit wohlbemessenem Druck, schön im Takt,
ohne die Hektik rings um sie her zu beachten.
Die Langsamkeit verleiht ihnen einen ungewohnten Reiz.

Sie genießt diese Verlangsamung,
macht sie sich zu eigen.
Mit sanftem Wiegen des Körpers,
ohne die Hektik rings um sie her zu beachten.
Die Langsamkeit verleiht ihnen einen ungewohnten Reiz.

*

Nichts treibt sie zur Eile an,
nichts zwingt sie, den Rhythmus einzuhalten,
doch sie tut es.

Weit vorn gerät der Strom ins Stocken,
irgend etwas behindert seinen Fluss,
ein Umweg oder ein anderes Tempo,
weil irgend etwas den Weg versperrt.

Nichts treibt sie zur Eile an,
nichts zwingt sie, den Rhythmus einzuhalten,
doch sie tut es.
Ist etwa dieses winzige Wesen an der Verzögerung schuld?

*

Granufunk – Das Winzige Wesen

Transzendent

Januar 17, 2010

Das Esbjörn Svensson Trio (e.s.t) ist bekannt durch Kompositionen an der Schnittstelle zwischen Pop und Jazz. Das Album Leucocyte ist das letzte Album des Trios. Esbjörn Svensson verunglückte am 14. Juni 2008 tödlich beim Tauchen im Stockholmer Schärenhof.

Der erste Track, Decade, stellt eine melodische und verhaltene Einleitung dar, vom Stil her minimalistisch. Darauf folgt der längste Track auf dem Album, Premonition. Der Akustikbass beginnt mit der Einleitung. Der Charakter ist rhytmisch pulsierend, ein Herzschlag, ein Puls. Das Piano mit Delay Effekt spielt dazu gesangliche Phrasen. Der Track ist progressiv vom Aufbau, die Intensität und Lautstärke werden mit der Zeit gesteigert. Zwischen Piano und Akustikbass entwickelt sich ein musikalischer Wettstreit, die Harmonik ist dagegen eher statisch (Orgelpunkt). Mit der Zeit gewinnt das Schlagzeug an Intensität, die Snare-Drum imitiert Schüsse aus einem Schnellfeuergewehr. Dieses Motiv wird über längere Zeit fortgeführt (nervt).

Der nächste Track liefert ein ruhiges und traumhaftes Thema. Kalte digitale Effekte begleiten das gehaltene Piano. Verfremdete, verzerrte Effekt-Klänge brechen in den Wohlklang des Trios aus Piano, Bass und Schlagzeug ein.

Beim nächsten Track bilden pfeifende und klirrende Effekte den Auftakt, dann blendet sich „klassischer Swing“ ein. Gesangliche Linien werden hörbar mitgesungen. Das Piano bricht aus mit Phrasen in unglaublichem Tempo. Der Ausklang ist dann eher geheimnisvoll.

Still beginnt mit Effekten, die sich wie Tierstimmen anhören. Das Piano ist mit deutlichem Effekt versehen. Der Charakter ist ruhig, zurückhaltend und traumhaft. Das Piano spielt offene Akkorde im Diskant, kalt, metallisch aber mit dichter Harmonik. Die Effekte und Hall schaffen einen irrealen, traumhaften Klang. Die Stimmung wird mit der Zeit ruhiger, gelöster, selig. Für mich einer der Höhepunkte auf dem Album.

Im nächsten Track spielt das Piano einen sehr einfach gesetzten Zwischensatz.

Leucocyte, der Titeltrack des Albums, besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil, Ab Initio, beginnen Bass und Schlagzeug, begleitet von intensiven und dissonanten Effekten. Man hat den Eindruck von einem brodelnden Kessel. Der folgende Teil, Ad Interim, besteht aus einer Minute Stille und trennt den ersten Teil von den folgenden Teilen.

Der nächste Teil beginnt mit dem Bass in hohen Lagen, dazu das Piano mit schepperndem, digitalen Effekt, das langsame Triller spielt. Dazu erklingt eine verfremdete, instrumentale Stimme. Das alles klingt sehr künstlich. Es gibt rhythmische und tonale Klanganteile. Die tonale Basis löst sich immer weiter auf. Es entsteht ein sehr experimenteller Eindruck. Zerfall, Divergenz, ein alptraumhafter Trip.

Tonale Aspekte setzen sich langsam durch, zwar noch gegeneinander verstimmt, dann aber stellt sich ein atmosphärischer Klang ein, strukturiert durch kurze Piano-Motive, ein dichtes, atmosphärisches Klanggefüge. Struktur tritt langsam an die Stelle der Unordnung, Ordnung durchbricht das Chaos. Diese Wandlung stellt meiner Meinung nach den kompositorischen Höhepunkt des Albums dar, ein fremdartiger Schönklang, der den Titel Ad Mortem trägt. Hier entsteht etwas Neues, der Begriff Transzendenz drängt sich auf.

Die Dualität aus Dissonanz und Wohlklang, welche ein zentrales Konzept von Leucocyte zu sein scheint, spielt auch im Credo des estnischen Komponisten Arvo Pärt eine große Rolle. Pärt stellt die traditionelle (tonale) Kompositionstechnik der atonalen Zwölftonmusik gegenüber. Symbolisch stehen diese Gegensätze für Chaos und Ordnung, Religiosität und Atheismus.

Ad Infinitum bildet den effektvollen Ausklang des vorangegangenen Themas. Die traumhafte Klangkulisse wird hier noch für einen Augenblick angehalten, der Eindruck ist jedoch ein statischer, welcher das Unendliche treffend beschreibt.

e.s.t. Esbjörn Svensson Trio
Leucocyte
ACT 9018-2
2008