Archive for Oktober 2009

Nachbarn

Oktober 25, 2009

Bei meinen Nachbarn sind jetzt häufiger Kinder zu Besuch. Früher hatten meine Nachbarn zwei Kampfhunde, doch Kinder und Kampfhunde geht wohl nicht so gut zusammen. Die Kinder sind nicht halb so laut wie die Kampfhunde. Ich hab ja eher Angst vor Hunden. Wenn die dann loskläffen zucke ich immer zusammen.

Nachts, wenn ich schlafen will, läuft immer irgendwo der Fernseher. Nicht besonders laut, aber doch störend. Ich kann nicht sagen ob das Fernsehergeräusch von oben oder von unten kommt. Das habe ich schon oft versucht herauszufinden. Ich habe in verschiedenen Zimmern gestanden, gelauscht und eine Ortung versucht. Vergeblich. Auch lautes und penetrantes Hämmern mit einem Besenstiel (nach oben und unten) hat nicht geholfen. Zurück bleibt ein Gefühl der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins an die Willkür meiner Mitmenschen.

Die Kehrwoche ist auch so ein Thema. Meine Nachbarin hat mir ein Schild gemalt mit den von mir auszuführenden Aufgaben, die hauptsächlich darin bestehen, im zweiwöchigen Rhythmus die Treppe nass zu wischen. Das Schild war mit den Worten „Die Hausgemeinschaft“ unterschrieben. Die Hausgemeinschaft habe ich aber immer ignoriert, bis ich eines Tages einen Brief von der Hausverwaltung bekam, der an alle Hausbewohner gerichtet war. Darin wurde die mangelnde Treppenhaushygiene bemängelt. Meinen drohenden Rausschmiss vor Augen wischte ich in Panik die Treppe abwärts bis zum nächsten Absatz. Ich muss wohl besonders nass gewischt haben, denn meine Nachbarin beschwerte sich daraufhin bei mir. Sie sprach von sogenannten Wasserflecken. Kurz darauf stellte ich meine Ambitionen bezüglich des Treppenhauses ein.

Nach der Flut

Oktober 23, 2009

Folk-Rock Legende Ani Difranco hat ein neues Studioalbum vorgelegt. Als Fan ist man inzwischen gewohnt, dass die Cover-Gestaltung in künstlerischer Hinsicht keine Wünsche offen lässt. Erst 2004 erhielt die in Buffalo, New York beheimatete Sängerin sogar einen Grammy Award in der Kategorie Best Recording Package. Das aktuelle Album bildet hier keine Ausnahme.

Katrina ist das Thema des titelgebenden Songs Red Letter Year. Ein Red Letter Year, ein denkwürdiges Jahr ist es gewesen, ein besonderes Jahr, nach dem nichts mehr so ist wie zuvor. Der Hurrikan hat die Stadt New Orleans mitten ins Herz getroffen. Lebensgrundlagen wurden ausgelöscht in den zerstörerischen Fluten. Nur konsequent war es daher, das Album in der Stadt aufzunehmen, die so viel Leid erfahren hat.

Nach dem Unglück erschien der damalige Präsident George W. Bush vor Ort, zeigte sich erstmals den Opfern nach langer Zeit der Untätigkeit, hilflos, aber stets gut gelaunt.

and representing the white race
a man with a monkey for a face
is flying over in a helicopter
whistling dixie and playing dumb

Ani Difranco singt, was viele vielleicht nur denken.

Da wundert auch nicht, dass sie sich später stark gemacht hat für seinen Nachfolger Barack Obama. Für ein freieres, solidarischeres Amerika. Doch zunächst gilt es, mit dem Finger auf das Unrecht zu zeigen. Wütend und trotzig beklagt sie das sogenannte Corporate America, welches von Gier, Verantwortungslosigkeit und dem alleinigen Streben nach dem Eigeninteresse geprägt ist (Alla This).

i am many things
made of everything
but i will not be your bank roll
i won’t idle in your drive-thru
i won’t watch your electric sideshow
i got way better places to go

Mit Nachdruck demontiert sie religiöse und patriotische Wertvorstellungen und ersetzt sie durch ihre eigene feministische Philosophie.

i won’t rent you my time
i won’t sell you my brain
i won’t pray to a male god
cuz that would be insane
and i can’t support the troops
cuz every last one of them is being duped
and i will not rest a wink
until the women have regrouped

Entspannter gibt sich Difranco, als sie über ihre kleine Tochter Petah Lucia singt. Da spürt man die Angst vor dem Älterwerden, vor verpassten Gelegenheiten vielleicht. Die Liebe tröstet sie über die ein oder andere Gesichtsfalte hinweg (Present/Infant). Die Tochter sorgt auch in weiteren Songs für eine heitere Stimmung (Smiling Underneath). Landing Gear beschreibt die Geburt der Tochter mit einer ungewöhnlichen Metapher.

Auch ökologische Themen liegen Difranco am Herzen. In dem Song The Atom setzt sie sich kritisch mit der Atomkraft und den Bestandteilen der Materie auseinander. Die Lyrics sind sehr poetisch und durchweg gelungen. Ihre Schlussfolgerung überrascht durch ihre Konsequenz:

yes, messing with the atom
is the highest form of blasphemy
whether you are making weapons
or simple electricity

Musikalisch hat sie sich weiterentwickelt. Ihr Gitarrenspiel wirkt entspannter und auch reifer. Man darf gespannt sein auf das nächste Album. Lange wird man wohl nicht darauf warten müssen.

http://www.righteousbabe.com/