Archive for November 2007

Boss OC-2 Octave Mod

November 30, 2007

Vor kurzem habe ich das Gitarreneffektgerät Boss OC-2 Octave gemoddet. Ich habe die Platine an zwei Stellen kurzgeschlossen. Mit zwei Schaltern kann man zwei verschiedene Fuzz/Distortion Effekte aktivieren.

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Ein anderer Mod für das Gitarreneffektpedal DS-1 von Boss ist auf Casperelectronics beschrieben. Ich habe diesen Mod getestet und er klingt ziemlich gut.

Klangwüste

November 18, 2007

Brothomstates – Claro (Warp)

Hinter Brothomstates steht der Finne Lassi Nikko, der nach der EP Qtio (ebenfalls Warp) hiermit sein erstes Album vorlegt.

Nein, das ist nicht falschrum!

Claro ist oberflächlich gesehen ein sehr minimalistisches Werk. Die Instrumentierung ist sehr spärlich gehalten. Charakteristisch für den Klang sind verschachtelte, zerbrechliche Drum-Patterns und ein meist progressiver Aufbau. Aus den einzelnen Patterns ergibt sich durch verschiedene Variationen ein teilweise recht komplexes Klanggefüge.

Das Album enthält sowohl perkussive Tracks (25101999) wie auch melodische Titel (Kava, Viimo). Bei Kava werden beispielsweise die rhythmischen Muster mit räumlichen Flächenklängen unterlegt. Man trifft hier auch auf kindliche Melodielinien, wie man sie von Aphex Twin kennt. Manche Tracks skizzieren auch nur kurz eine musikalische Idee, ohne sie dann weiter zu verfolgen.

Das Album wirkt beim ersten Anhören vielleicht etwas zu karg und leer, aber wenn man sich darauf einlässt wächst es mit der Zeit. Die einzigartige Mischung aus Rhythmik, Harmonik und karger Instrumentierung prägt sich langsam ein.

Fazit: Eine Reise in unbekannte klangliche Regionen, zur Zeit mein absoluter Favorit.

Kurvenform-Generator

November 17, 2007

Nur so zum Spaß habe ich ein paar elektronische Bausätze zusammengebaut. Ich möchte gerne den analogen Synthesizer Simplesizer nachbauen. Das ist ein kompletter Analogsynthesizer mit VCO, VCF, VCA, LFO und ADSR-Hüllkurve auf einer Platine. Zur Übung baue ich jetzt ein paar kleinere Bausätze, unter anderem den Kurvenform-Generator.

Kurvenform-Generator

Der Kurvenform-Generator stammt eigentlich aus der Messtechnik und erlaubt es, beliebige Kurvenformen zu erzeugen. Dazu wird ein Sampling Verfahren angewendet. Es werden jedoch keine digitalen Signale über einen D/A-Wandler ausgegeben. Mit 8 Potentiometern sind Spannungswerte einstellbar, die nacheinander mittels eines CMOS-Multiplexers abgetastet werden. Es ergeben sich 8 bzw. 16 Stützpunkte für das Ausgangssignal.

Ich habe die Schaltung an meinen Marshall-Miniamp (eigentlich ein Gitarrenverstärker) angeschlossen. Die Schaltung erzeugt ganz interessante Klänge. Über das neunte Potentiometer kann man die Frequenz bzw. die Tonhöhe einstellen.

Schwermut als Zuflucht

November 14, 2007

Trentemøller – The Last Resort (Poker Flat)

Anders Trentemøller ist ein dänischer Techno- und Houseproduzent und gefragter Remixer. Das vorliegende Album ist das Debutalbum des Dänen. Das Cover zeigt eine in Grautönen gehaltene Baumlandschaft, ein Wald im Nebel lässt eher melancholische Klänge erwarten.

Die Platte ist keine wahllose Aneinanderreihung von Clubtauglichen Mixes sondern ist als Gesamtkunstwerk zu betrachten. Die einzelnen Tracks haben eine räumliche wie eine emotionale Tiefe, die man von einer Techno-Platte eigentlich nicht erwarten würde. Schon der erste Track Take Me Into Your Skin lässt erahnen, wie weit man sich hier von dem entfernt, was landläufig als Techno bezeichnet wird. Hier beginnt eine emotionale Reise, welche Spannungsbögen über weite Strecken aufrecht erhält. Der Klang ist durchweg ausgewogen, besonders die Bässe kommen sehr druckvoll rüber und reichen sehr tief hinab. Effekte wie das Plattenknistern werden subtil und wirkungsvoll eingesetzt und verleihen dem Klang noch zusätzlichen Druck.

Der Titel Snowflake überzeugt mit atmosphärischen Flächenklängen, die sehr eindringlich klingen. Die Drums wirken hier vor allem als strukturierendes Element und geben dem melancholischen Mix eine haltende Stütze.

Auf Anhieb überzeugt auch Always Something Better, ein energiegeladener Ausbruch aus der statischen Melancholie. Insgesamt ist kein einziger ’schwacher‘ Track auf der Doppel-LP (außer vielleicht dem Titeltrack The Very Last Resort, den ich persönlich etwas blass finde). Im Bereich Elektronik finde ich The Last Resort zwar melancholisch aber doch eher warm und emotional. Für graue Novembertage ist diese Platte genau das Richtige. Am besten sollte man die LP auf einer Anlage hören auf der die Bässe gut rüberkommen.

Fazit: Spektakulär gut!

From outer space

November 11, 2007

The Future Sound of London – My Kingdom (Astralwerks)

Mitte der neunziger Jahre liefen auf MTV spätnachts noch Videoclips die man in die Kategorie Elektronik oder Ambient einordnen könnte. In der sogenannten Chill Out Zone fand man Clips wie Oribtal: The Box oder Massive Attack: Protection. Einer der Klassiker war auch FSOL: My Kingdom in welchem die Welt von Aliens unterwandert wurde. Die Aliens traten hier in Form von organischen Strukturen auf, die einer Flüssigkeit ähnelten.

Die Musik braucht sich hinter dem gelungenen Video nicht zu verstecken. My Kingdom ist die erste Single des FSOL Albums Dead Cities und von der Stimmung her wie auch das ganze Album ziemlich düster. Die Samples stammen u. a. vom Bladerunner Soundtrack und die Vocals von einem Vangelis Stück (Rachels Song). Die Samples fügen sich wunderbar in die Klangkulisse ein.

Die B-Seite enthält noch drei weitere Tracks, die sind ganz nett anzuhören aber auch recht redundant. Im letzten (Part 4) werden die Samples des Titeltracks wieder aufgegriffen.

Fazit: Düsterer atmosphärischer Mix mit diversen klanglichen Highlights

Glocken mit Bildungsauftrag

November 8, 2007

Prefuse 73 – The Class of 73 Bells feat. School of Seven Bells (Warp)

The Class of 73 Bells ist die erste Single des vierten Albums von Prefuse 73: Preparations. Prefuse 73 ist das Werk von Scott Herren. Die School Of Seven Bells ist ein Band-Quartett bestehend aus Claudia und Alejandra Dehaza, Benjamin Curtis und James Elliott.

Der Titelsong ist geprägt von den engelhaften Stimmen der Dehaza Schwestern, Streichern, verträumten Flötentönen und einem subtil arrangierten elektronischen Groove. Die Botschaft lautet: I’m under no disguise. Die bezeugte Ehrlichkeit oder Rechtschaffenheit wird anschließend durch ein dauerhaft gelooptes Singsang noch eindringlich beschworen.

Der erste Track wirkt einerseits etwas wie ein unbeschwerter Popsong, andererseits sind auch Geräusche eingearbeitet, welche das weichgespülte Arrangement etwas aufbrechen. Ohne die elektronische Bassgruppe wirkt das Arrangement beinahe schon wie ein klassisches Musikstück. Tatsächlich ist auf der B-Seite ein klassischer Edit enthalten auf dem der Gesang noch besser zur Geltung kommt.

Die beiden Edits umrahmen zwei mittlere Tracks, die ganz ohne Gesang auskommen müssen. Hier greift Scott Herren in die Kiste mit den dreckingen, rauen Klängen, welche nur durch ein paar Sprachsamples aufgebrochen werden. Die beiden Tracks wirken sehr blass im Vergleich zum Titeltrack; der Verdacht drängt sich auf, es handle sich hierbei lediglich um Füllmaterial einer ansonsten sehr gelungenen Single.

Fazit: Gelungene Fusion von Pop, Klassik und Elektro

Aspen – are you that retail snob?

November 6, 2007

Die Ursprünge dieser Platte liegen in Wellington, Neuseeland. Aspen (benannt nach der Baumsorte, nicht dem Skiort) ist das Projekt von Bevan Smith, der in seinem Freundeskreis das Label Involve Records gegründet hat.

Das vorliegende Album ist eine entspannte Mischung aus melodischen Downtempo Tracks, die sogar ein gemeinsames Thema verbindet: Shopping. Der Konsum wird hier hörbar und erlebbar. Die Tracks sind alle sehr sauber instrumentiert und mit viel Liebe zum Detail arrangiert. Zwei Titel stechen jedoch hervor: Einmal das titelgebende are you that retail snob? und zum zweiten das etwa zehnminütige this is why only teenagers can really love music.

Hier wird das ganze Können des Künstlers offenbar. Auffällig ist hier besonders der gekonnt kalkulierte Spannungsaufbau. Der Anfang ist sehr ruhig und verhalten. Flächenklänge skizzieren ein wohliges und harmonisches Gesamtgefüge. Die Spannung wird aufrecherhalten und die Klangkulisse nach den ersten drei Minuten sogar noch etwas dünner, dann pausieren auch die Drums. Dann wird ein ätherisches und etwas mysteriöses Synthesizer-Thema vorgetragen. Der Klang verdichtet sich wieder stärker.

Nach etwa sieben Minuten scheint der Spannungsbogen abzuklingen, man denkt schon das Stück sei zu Ende, da wird das Hauptthema vorgetragen, zusammen mit druckvoll artikulierten Drumsounds. Insgesamt ein sehr lohnender Genuss.

Fazit: Warum nur Teenager Musik wirklich lieben bleibt weiterhin unklar, aber dafür klingt es wirklich fantastisch.

Aphex Twin – Analord 5

November 5, 2007

Die Analord Reihe des Elektronik Pioniers Richard D. James – besser bekannt als Aphex Twin – ist eine Expedition in die Welt der Acid Klänge. Diese werden geprägt von dem u. a. im Techno viel gebrauchten Bass-Synth Roland TB 303.

Analord 5 enthält zwei ca. zwölfminütige Tracks. Der erste beginnt mit einem melancholischen Synthesizer Thema, das sehr stark verstimmt ist. Das Thema wird zunächst nur von einer Basedrum begleitet und dann mit dem Gater zerhackt. Nach und nach setzen die von AFX bekannten druckvoll zischenden Drumsounds ein. Schließlich kommt die TB 303 (oder ein naher Verwandter) mit dem typischen Acid Sound dazu. Von jetzt an variiert das Thema mit klaustrophobischer Beharrlichkeit. Die Wirkung ist bestechend. In der Mitte der Platte sieht man den Grabstein der Anna Lord. Man fühlt die Verzweiflung und die Trauer über den Tod der Unglücklichen. Gleichzeitig fühlt man den Rausch. Die Präsenz der Drums erzeugt zeitweise den Eindruck von rasender Gewalt.

Der zweite Track zeigt eine stärkere Entwicklung. Die Monotonie des viertaktigen Basslinien-Themas erzeugt eine Art Ostinato. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Basslinie und wandert dann langsam höher. Acid-Motive wandern um das Thema und verdichten sich zunehmend. In der Mitte des Tracks wiederholt sich diese Entwicklung. Die Energie kommt hier wieder durch die effektvolle Programmierung der Drums, repetitive Arpeggios, leicht verstimmte Synthesizer (detuned). Am Schluss steht das Perkussive im Vordergrund. Stakkato.

Fazit: Paranoia in Töne gemeißelt (Kaufbefehl)

The Future Sound Of London – From The Archives

November 5, 2007

Meine erste Platte (Vinyl). The Future Sound Of London – From The Archives. Diese Platte enthält Tracks von den drei gleichnamigen CDs (Volume 1 bis 3). Dieses Blog dient vor allem der subjektiven Bewertung von Platten, Informationen über FSOL gibt es im Internet sowieso schon genug.

Hier meine Wertung: Die einzelnen Tracks blubbern fröhlich vor sich hin und erzeugen eine meist sehr entspannte, manchmal auch etwas düstere Stimmung. Die Beats sind meist sehr langsam und die für die Stilrichtung Ambient typischen Geräusche und räumliche Fächerung sind hier erlebbar. Trotz der Vorselektion sind nicht nur Hits auf der Doppel LP. Vieles wirkt zu beliebig.

Meine Favorites sind Turn Around und Long Shadows.

Fazit: Diese Platte hat ein tolles Cover, das muss man schon sagen. Die Musik ist auch ok.